Zeitarbeit ist heute ein etabliertes Instrument zur Deckung kurzfristiger Personalbedarfe. In Deutschland gibt es die Vermittlung von Arbeitskräften jedoch schon seit über einem Jahrhundert – und sie hat sich stark gewandelt.
Die ersten Formen
Die rechtliche Regelung begann 1922 mit dem Arbeitsnachweisgesetz, dessen Kern 1927 ins AVAVG überging. 1931 wurden Vermittlern volle Arbeitgeberpflichten auferlegt, 1935 kam unter nationalsozialistischer Herrschaft der komplette Stopp. Das moderne Personalleasing entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg.
Anfänge und erste Firmen
1948 gründeten die US-Anwälte Aaron Scheinfeld und Elmer Winter mit Manpower Inc. die erste Zeitarbeitsfirma. Das Modell verbreitete sich rasch und kam über Paris und London (1956) nach Europa. 1962 eröffnete ADIA Interim (heute Adecco) die erste deutsche Niederlassung in Hamburg – damals noch gegen geltendes Recht, weshalb die Bundesanstalt für Arbeit Strafanträge stellte.
Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz
Am 4. April 1967 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass das Arbeitsvermittlungsmonopol mit der Berufsfreiheit (Art. 12 GG) unvereinbar ist. 1970 forderte das Bundessozialgericht sozialen Mindestschutz. 1972 trat schließlich das Gesetz zur Regelung der gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung (AÜG) in Kraft – mit Erlaubnispflicht, staatlicher Kontrolle und arbeits- sowie sozialrechtlichem Schutz.
Die wichtigsten Reformen
Seither wurde das AÜG kontinuierlich reformiert:
- 1985–1997: schrittweise Verlängerung der Höchstüberlassungsdauer von drei auf zwölf Monate.
- 2004: Aufhebung der Höchstdauer und gesetzliche Verankerung von Equal Treatment (Hartz-Reformen).
- 2011: allgemeinverbindliche Lohnuntergrenze und „Drehtürklausel" gegen Umgehungen.
- 2017: Höchstüberlassungsdauer auf 18 Monate begrenzt, Equal Pay nach 9 Monaten verpflichtend.
Zeitarbeit heute
Während der Corona-Pandemie 2020 half Personalleasing, Lücken in systemrelevanten Berufen zu schließen. Ende 2023 fusionierten die Verbände BAP und iGZ zum Gesamtverband der Personaldienstleister (GVP). Heute beschäftigt die Zeitarbeit rund 830.000 Menschen – etwa 2 Prozent der Erwerbstätigen – und federt vor allem Marktvolatilität und betriebliche Schwankungen ab.
Häufige Fragen
Seit wann gibt es Zeitarbeit in Deutschland?
Erste Regelungen stammen aus den 1920er-Jahren; das moderne Personalleasing entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, die erste deutsche Niederlassung eröffnete 1962.
Wann trat das AÜG in Kraft?
1972 – das Gesetz zur Regelung der gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung schuf Erlaubnispflicht und sozialen Mindestschutz.
Was änderte sich 2017?
Die Höchstüberlassungsdauer wurde auf 18 Monate begrenzt und Equal Pay nach 9 Monaten verpflichtend.
Wie viele Menschen arbeiten in der Zeitarbeit?
Rund 830.000 – etwa 2 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland.
