Entleiht ein Kundenunternehmen Zeitarbeiter von einem Personaldienstleister, spricht man von Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ). Sie ist flexibel und beliebt – birgt aber Risiken, die man vor dem Einsatz kennen sollte.
Verdeckte Arbeitnehmerüberlassung
Ein Personaldienstleister braucht grundsätzlich eine Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung, erteilt von der Agentur für Arbeit. Nur ein Vertrag mit einer erlaubten Zeitarbeitsfirma ist rechtskräftig. Fehlt die Erlaubnis, liegt verdeckte Arbeitnehmerüberlassung vor – das ist gesetzeswidrig. Entleiher und Verleiher haften dann gesamtschuldnerisch; dem Kunden drohen ein unbefristetes Arbeitsverhältnis mit dem Beschäftigten, Nachzahlungen von Sozialabgaben und weitere Sanktionen.
Subsidiärhaftung
Sozialabgaben, Berufsgenossenschaftsbeiträge und Lohnsteuer führt eigentlich der Personaldienstleister ab, da er der Arbeitgeber ist. Meldet er jedoch Insolvenz an, geht die Zahlungspflicht an die nächste zahlungsfähige Instanz über – den Entleiher. Absichern lässt sich das über aktuelle Unbedenklichkeitsbescheinigungen von Krankenkasse, Finanzamt und Berufsgenossenschaft. Diese decken allerdings meist keine Stundungen ab, weshalb die Liquidität des Verleihers nur bedingt ablesbar ist.
Arbeitsschutz
Der Arbeitsschutz umfasst alle Beschäftigten – auch Zeitarbeiter, die durch ständig wechselnde Einsatzorte einem höheren Risiko ausgesetzt sind. Formaler Arbeitgeber und damit zuständig ist der Personaldienstleister; in der Praxis trägt aber auch das Kundenunternehmen Verantwortung, da es das Weisungsrecht am Arbeitsplatz hat. Wer die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) stellt, sollte vorab im Überlassungsvertrag geklärt werden.
Höchstüberlassungsdauer und Equal Pay
Die Höchstüberlassungsdauer beträgt nach § 1 AÜG 18 Monate und ist arbeitnehmerbezogen – frühere Einsätze über andere Verleiher zählen mit. Ein Verstoß, selbst um einen Tag, macht das Arbeitsverhältnis zum Verleiher unwirksam und begründet automatisch eines beim Kunden; dazu drohen Bußgelder bis 30.000 €.[1] Der Gleichstellungsgrundsatz (§ 8 AÜG) sichert Equal Treatment und – nach spätestens 9 Monaten – Equal Pay. Verstöße gegen Equal Pay können den Verleiher bis zu 500.000 € kosten.
Lösungen für Unternehmen
Unternehmen sichern die Compliance ab, indem sie Personaldienstleister sorgfältig auswählen, Unbedenklichkeitsbescheinigungen einholen und Fristen konsequent überwachen. Vendor-Management-Plattformen wie Pactos prüfen die Seriosität des Verleihers vorab, holen laufend Nachweise ein und warnen 14 Tage vor Ablauf kritischer Fristen.
Häufige Fragen
Was ist verdeckte Arbeitnehmerüberlassung?
Eine Überlassung ohne gültige Erlaubnis oder ohne AÜ-Vertrag. Sie ist gesetzeswidrig; Entleiher und Verleiher haften gesamtschuldnerisch.
Was bedeutet Subsidiärhaftung?
Wird der Verleiher zahlungsunfähig, haftet der Entleiher nachrangig für nicht abgeführte Sozialabgaben. Unbedenklichkeitsbescheinigungen mindern das Risiko.
Wie lange dürfen Zeitarbeiter eingesetzt werden?
Grundsätzlich 18 Monate ununterbrochen (arbeitnehmerbezogen). Tarifverträge können abweichen; ein Verstoß begründet ein Arbeitsverhältnis beim Kunden.
Ab wann gilt Equal Pay?
Nach spätestens 9 Monaten ununterbrochener Einsatzdauer, sofern kein einschlägiger Tarifvertrag etwas anderes regelt.
- Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG): gesetze-im-internet.de
- 10 Dinge über Arbeitnehmerüberlassung
